Maria Himmelfahrt ist immer ein willkommener Feiertag, um die Tage bis zum folgenden Wochenende für einen Kurzurlaub zu nutzen. Ich hatte mich dazu entschlossen ein Boot mit auf die Fahrt zu nehmen, das schon länger darauf wartet, wieder seiner ursprünglichen Verwendung zugeführt zu werden. Unser langjähriges Vereinsmitglied Rose Kerckow hat dem SKC die „APIA“ zum Geschenk gemacht und es wird sie freuen, dass ihr Boot wieder einmal auf Wanderfahrt war. Aus mehreren Richtungen reiste die zeitweilig siebzehnköpfige Mannschaft nach Rhinau, um in den folgenden Tagen gemeinsam bekannte und unbekannte Fließgewässer zu erkunden. Entlang einer eigenen Zeile wurden die Zelte und Wohnmobile plaziert und es entstand ein ansehnliches Lager mit einem Küchen- und Aufenthaltsbereich und einer Feuerstelle. Es fehlte wie immer nicht an flotten Sprüchen und wohlgemeinten Ratschlägen. Es wurde gewitzelt und gelacht und Dieter Hammelmann – ein Jugendfreund von Pit – war eigens mit seinem „Flickenteppich“ aus seiner Schwarzwälder Wahlheimat angereist, um sich unter anderem dieses Szenario nicht entgehen zu lassen. Für Mittwoch waren die Wetteraussichten recht gut und so entschieden wir uns mehrheitlich dafür, unsere Fahrt auf dem Blauwasser zu beginnen.
Schnell wurde in Sasbach ein Rückholfahrzeug geparkt und es ging frohen Mutes der Einsatzstelle bei Breisach entgegen. Margit und Andreas waren zum ersten Mal dabei, als wir nach einigen Kilometern schneller Fahrt auf dem Blauwasser in den türkisblauen Baggersee einfuhren. Der Wind hatte das Wasser leicht gekräuselt und so strebten wir durch die Wellen quer über den See dem gegenüberliegenden Ufer zu, um die Mittagspause mit einem Sprung in die Fluten zu bereichern. Doch wir hatten die Rechnung ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht, der uns in Form eines Ordnungshüters ein Strich durch die Rechnung machte. Erstens konnten wir kein Feuer machen und zweites mußten wir die Boote über Land zur nächsten Einsatzstelle am Bach tragen. Das hinderte uns aber trotzdem nicht daran, während der Mittagspause ein erfrischendes Bad zu nehmen, um dann unsere Fahrt auf dem idyllischen Gewässer fortzusetzen. Wie schon viele Male zuvor war es ein immer wiederkehrendes Erlebnis, die Stille in der Natur und die einzigartigen Bilder im Spiel von Licht und Wasser zu genießen.
Der Nachmittag wurde dann zur Erledigung von vielerlei Dingen genutzt und am Abend war Gelegenheit zu einem ausgedehnten Grillvergnügen mit unterhaltsamen Einlagen.
Der Taubergießen war schon fester Bestandteil unseres Oberrheinprogramms und so setzten wir am nächsten Morgen mit der Fähre über den Rhein und fuhren direkt zur Einsatzstelle in Rheinhausen/Oberhausen. Dort erwartete uns schon die erste Überraschung. Die Zufahrt zum Einstiegspunkt war neuerdings mit einer Schranke abgesperrt, so dass wir unsere Boote mühselig mehrere hundert Meter durch den Wald schleppen mußten. Eine reine Schikane.
Aber wir ließen uns trotz des aufsteigenden Zornes nicht verdrießen und schon bald hatte uns das Naturerleben in seinen Bann geschlagen. Fast lautlos glitten die Boote durch den stillen Auwald und die relativ große Gruppe war gut eingespielt und sehr diszipliniert.
Der Wasserstand des kleinen Flüßchens war zur Zeit etwas höher als normal und die Strömung brachte die Gruppe schnell voran. Links und rechts der Fahrrinne dehnte sich das Wasser in den Auwald aus, so dass das Flußbett oft die mehrfache Breite annahm. Stellenweise waren sogar mehre Seitenarme befahrbar und die Flußlandschaft bekam ein völlig neues Erscheinungsbild. Etwa auf halber Strecke erreichten wir dann den Hochwasserdamm, den wir mit unseren Booten auf dem Landweg überqueren mußten. Wie gewohnt war auch hier die Gelegenheit eine kleine Rast einzulegen, um sich für den zweiten Teil unserer Flußfahrt zu stärken. Im letzten Abschnitt verbreiterte sich der Fluß und es ging dann ganz gemächlich dem Ausstiegspunkt bei Wittenweier entgegen. Als wir gegen Abend auf dem Campingplatz ankamen, ereilte uns die nächste Überraschung – das Bugrad des Anhängers war verschwunden. Da es unterwegs nicht verloren gegangen sein konnte, gab es nur eine Erklärung. Ein besonders liebenswerter älterer Herr, der Pit schon einmal angezeigt hat, beobachtete unser Einsteigen sehr interessiert. Die Verdacht liegt nahe, daß er sich gemüßigt gefühlt haben könnte, auf niederträchtige Weise das Bugrad samt Knebel zu entwenden. Wir konnten über so viel Unverschämtheit nur staunen ... Doch ließen wir uns die Laune nicht verderben und so klang der Tag in gemütlicher Runde aus.
Für den nächsten Tag hatten wir uns das Brunnenwasser ausgesucht und konnten gleich in Rhinau einsetzen. In der Nacht hatte es etwas geregnet, aber das Wetter besserte sich im Laufe des Tages zunehmend. Für die meisten war der kleine Fluß nicht unbekannt und so genossen wir die gemütlichen Fahrt durch eine weitgehend naturbelassene Flußlandschaft.
Unterwegs begegneten wir immer wieder Schwänen mit bis zu sechs Jungtieren die unsere vorbeiziehenden Boote friedfertig beobachteten. Bei guter Strömung kamen wir schnell voran und ein einsetzender Regenschauer ließ uns ohne Mittagspause weiterfahren.
Schon früh am Nachmittag war das Ziel der 16 Kilometer langen Fahrt an der Brücke bei der Staustufe erreicht und wir brachten die Boote auf einem Wiesenstreifen an Land.
Bisher war an jedem Tag eine bittere Pille zu schlucken und auch heute sollte uns dieses nicht erspart bleiben. Als wir zum abgestellten Wagen kamen, mußten wir feststellen, dass das Auto aufgebrochen wurde und einige Sachen entwendet waren. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, war wieder rationales Denken angesagt und der nächste Weg führte zur Gendarmerie, um den Einbruchdiebstahl zu melden. Das hatte uns gewaltig die Stimmung verhagelt und es dauerte eine ganze Weile, bis wieder Ruhe in die Mannschaft kam.
Um den Abend etwas gemütlicher zu gestalten, machte ich mich mit Pit und Dieter auf, um im nahgelegenen Wald Holz für ein zünftiges Lagerfeuer zu beschaffen. Es dauerte nicht lange bis nach dem gemeinsamen Abendessen alle um das Feuer versammelt waren und der ereignisreiche Tag bei einem frohen Plausch sein gutes Ende fand.
Durch die schmerzhaften Erfahrungen gewarnt, hatten wir uns für die folgenden Fahrten eine neue Strategie ausgedacht. So kam es uns gelegen, daß Helmut am nächsten Tag eine Fahrradtour unternehmen wollte und auf Abruf bereitstand, uns am Zielpunkt in Straßburg abzuholen. Zuvor hatten wir an der Einstiegstelle mit einem freundlichen Anwohner vereinbart, das Auto mit dem Bootsanhänger auf seinem Grundstück sicher abzustellen.
Die übrigen Fahrzeuge wurde unauffällig im Ort verteilt. Nach einer kurzen Vorauserkundung des rechten Flußarmes waren wir sicher, die richtige Einstiegsstelle gefunden zu haben und machten uns auf den Weg nach Straßburg. Der Tag war wieder sonnig und warm und der mit dichtem Grün umsäumte Flußlauf bot eine angenehme Mischung aus Sonne und Schatten.
In vielen Schleifen und Windungen führte uns der abwechslungsreiche Fluß mal durch dichten Wald oder ein anderes Mal an üppigen grünen Feldern vorbei. Bis auf zwei Umtragungen war die Fahrt auf dem krummen Rhein problemlos und landschaftlich sehr reizvoll. Allmählich näherten wir uns der alten Festungsstadt und die Uferseiten waren immer häufiger mit wunderschön angelegten Gärten eingerahmt. Wie im Flußführer zu lesen stand, erreichten wir die Vorgärten Straßburgs. Im Gegensatz zu dem parallelen Flußlauf der Ill, die im Stadtgebiet weitgehend durch ein Industrierevier führt, verläuft der krumme Rhein durch eine parkähnlich angelegte Naherholungszone bis er am Schnittpunkt von drei Wasserstraßen am Nautikzentrum Straßburg in die Ill mündet. Für die meisten unserer Wegbegleiter war hier der Endpunkt der Reise gekommen, aber eine kleine Gruppe ließ es sich nicht nehmen, bei strahlendem Sommerwetter einen Abstecher in die nahegelegene Innenstadt zu machen. Währenddessen wurden die Fahrzeuge für die Rückfahrt herangeholt. Gemächlich schaukelten die fünf bunten Kanus an den Hausbooten vorbei flußabwärts und die Kulisse der Vauban-Festung vermittelte einen ersten Eindruck der stark befestigten, malerischen Altstadt.
Es war ein wahrer Genuß an den gut besuchten Straßencafés und Uferpromenaden entlang zu flanieren und dem regen Treiben vom Wasser aus zuzusehen. Nach einer guten halben Stunde waren wir dann wieder am ursprünglichen Endpunkt unserer eindrucksvollen Fahrt auf dem krummen Rhein angekommen – es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein ....
Der Abend gestaltete sich freundlich und warm und an der reichgedeckten Tafel wurden die feinsten Leckereien kredenzt. Irenes und Pit’s Enkelkinder waren mit ihren Eltern angereist und die beiden Kleinen belebten unser Lager auf eine sehr liebenswerte Weise.
Zur allgemeinen Erheiterung demonstrierte ich mittels einer Sitzbank ungewollt die allseits bekannte „Kerze“ auf dem Trockenen. So wurde die Zeit an den fünf Tagen mit allerlei lustigen Einlagen und manch hintergründigem Humor reichlich ausgefüllt.
Zum Abschluß prasselte noch ein schönes Lagerfeuer und die angeregten Gespräche verstummten erst weit nach Mitternacht.
Der nächste Morgen war wettermäßig nicht so ganz einzuschätzen, aber wir hofften, die Zelte nach der letzten Exkursion noch trocken einpacken zu können.
In der Geheimaktion „Z“ wurde zum ersten Mal ein kleines Flüßchen befahren, dessen erster Buchstabe der letzte des Alphabetes ist. Wir wählten für unsere elfköpfige Mannschaft bewußt eine unauffällige Einstiegsstelle außerhalb der Ortschaft Rossfeld. In der Ankündigung unserer letzten Fahrt am Sonntagmorgen, war als Sonderbedingung auf der Informationstafel „absolute Schweigepflicht“ zu lesen, was nichts anders als „Maulhalten auf dem Bach“ zu bedeuten hatte, um kein unnötiges Aufsehen zu erregen.
Mit Kind und Kegel ging es dann vor der Heimreise zur letzten Etappe und Werner war wieder so lieb, uns das Rückholfahrzeug in die Nähe der Ausstiegsstelle zu bringen.
Durch ein enges Labyrinth ging es dann hinunter zur eigentlichen Einsatzstelle innerhalb des Ortes und vorbei an blumengeschmückten Gärten und hölzernen Waschhäusern, in denen früher am Bach die Wäsche gewaschen wurde. Bei guter Strömung pendelten die bunten Boote am Ufersaum entlang und das Bächlein wurde allmählich etwas breiter. Das klare Wasser hatte annähernd Trinkwasserqualität und schattige Abschnitte wechselten immer wieder mit sonnendurchfluteten, grünen Tunneln. Nach einer Weile wurde unsere Weiterfahrt von einer Schwanenfamilie gebremst, die in panische Flucht vor unseren Pulk herschwamm.
Der Bewacher konnte zwar überholt werden, aber die übrigen Schwäne waren weiterhin vor uns auf der Flucht. So entschlossen wir uns die Pause vorzuziehen, um die Tiere zur Ruhe kommen zu lassen. Offensichtlich waren sie solche penetranten Eindringlinge nicht gewöhnt.
In der Hoffnung auf einen friedlichen Ausgang setzten wir nach der Pause unsere Fahrt fort, aber es dauerte nicht lange, da waren die weißen Vögel wieder vor uns. Glücklicherweise teilte sich danach der Bach in zwei Arme und die gefiederten Freunde nahmen ihren eigenen Weg. Das einzige Hindernis auf der Strecke mußte von den meisten umtragen werden, während die PE-Boote nach der Räumung des Wehres ihre Fahrt ungehindert fortsetzen konnten. Bei der Beseitigung der Hindernisse an dem schmalen Durchlaß kam es zu einem lautstarken Protest des Wanderwartes. Hatte ich doch in meinem Eifer ein darüberliegendes Rundholz entfernt, das Pit in der Vergangenheit offensichtlich als Haltepunkt diente, um festzustellen, ob sich unterhalb des Schützes Treibgut in der Fahrrinne befindet. Trotz intensiver Bemühungen ist es uns bisher aber noch nicht gelungen das Gedankenlesen zu erlernen, was die präzisere Ausführungen seiner Anweisungen mit Sicherheit wesentlich vereinfachen würde. Es geht nichts über klare Anweisungen zu Wasser und zu Land !
Im weiteren Verlauf strebten wir Erstein zu und der Wasserlauf wurde immer mehr zum Slalomkurs. Waren die Ufer anfänglich ausgeschnitten und gepflegt, so konnte wir auf der letzten Etappe fortschreitenden Wildwuchs beobachten.
Zurück beim Zeltplatz ging es an den unangenehmsten Teil - ans Abbauen. Bei herrlichem Sonnenschein fiel der Abschied besonders schwer und das Verstauen des Gepäcks zog sich immer weiter in die Länge. Schließlich machten wir uns erst gegen 18 Uhr auf den Weg nach Hause und die Fahrt durch das krumme Elsaß war von dramatischen Wolkenbildern über der sanften Hügellandschaft begleitet. Das Abladen und Verbringen der Boote war wie immer der kollektive Abschluß einer sehr gelungenen und gut organisierten Wanderfahrt mit vielen Höhen und auch Tiefen. Bleibt nur der Dank an die Mitgestalter und Organisatoren, die uns immer wieder durch solche herrlichen Wanderfahrten bereichern.
Dienstag, 14.08.2007
Anreise und Lageraufbau, gemeinsames Abendessen und Fahrtenplanung für die nächsten Tage
Mittwoch, 15.08.2007
Blauwasser von Breisach nach Sasbach
Donnerstag, 16.08.2007
Taubergießen von Rheinhausen/Oberhausen bis Wittenweier
Freitag, 17.08.2007
Brunnenwasser von Rhinau bis Staustufe Ottenheim
Samstag, 18.08.2007
Krummer Rhein von Plobsheim bis Mündung / Nautikzentrum Straßburg /
Quai de la Petite France
Sonntag, 19.08.2007
„Z“ von Rossfeld bis Brücke D 131 Osthouse-Gerstheim
